Donnerstag, 28. Februar 2013

Götterraben




In der Esche Kahlgeäst
kauern Raben, schwarze Schemen.
Nordgezeugter Eiswind lässt
Odins Vögel in den Zweigen
wie zur Kräfteschonung schweigen,
jede kleine Regung  lähmen.

Ruft da Hugin in den Baum?
Auf ein Krächzen aus der Wolke
hebt die Schar sich, zögert kaum.
Lärm erfüllt den tiefen Graben
her vom Hang. Die Götterraben
werden irdisch im Gekolke.


Mittwoch, 27. Februar 2013

Der Lenz klopft an





Knospenhüllen zeigen Risse,
schnell heraus ins Ungewisse
drängen weiße Weidenkätzchen,
hoffend auf ein Sonnenplätzchen.

Doch nur kaltes Schneegeflöcke
legt sich auf die Flauschfellröcke,
Reif verklebt am andern Tage
ihren Pelz mit einem Schlage.

Doch zur dritten Sonnenrunde
strahlt das Kätzchenvolk im Bunde,
zaubert Frohsinn in die Bäume,
endlich Lenzluft, nicht nur Träume.



Romulus und Remus





Metallen glänzt die Tierskulptur,
doch strahlt sie Leben aus, berichtet.
Des Künstlers Hände formten nur,
was alter Mythos hier berichtet.

Die Wölfin Lupa steht und säugt
ein Brüderpaar, dem Fluss entrissen.
In weiser Zukunftsahnung äugt
sie weit ins Land, sie scheint zu wissen.

Da wächst die Säule, wölbt ein Dom
die Kuppel. Bäume schatten Gassen.
Die Wölfin sieht ein Bild von Rom,
das ihre Kinder werden lassen.

Dienstag, 26. Februar 2013

Osterhase oder Christkind




Ein flauschig weißes Zwergkaninchen,
die Kinder nennen es Sabinchen,
durchlebt psychotisch eine Phase
und glaubt, es sei der Osterhase.

Man lächelt, lässt ihm seinen Glauben,
wer will schon schöne Träume rauben?
Seit gestern will es Christkind werden,
übt fleißig segnende Gebärden.

Der Seelendoktor Albert Demisch
empfand den Wunsch jedoch blasphemisch.
Das Christkind hätt mit Hasenohren
wohl an Persönlichkeit verloren.



Bodyguard für einen Schlauch (Kurzgeschichte)





In der riesigen Halle des Hauptbahnhofes von Kairo reiht sich Schalter an Schalter und vor jedem Ausgabefenster warten geschätzte hundertfünfzig Leute auf eine Fahrkarte, die sie berechtigt, in einem der hoffnungslos überfüllten Züge nicht Platz zu nehmen, sondern, durch die Massen am Umfallen gehindert, zu stehen.

So war es auch an einem Sommertag, also zu einer unerträglich heißen Zeit, als wir, meine Frau und ich, eine Karte nach Luxor lösen wollten. Angesichts der drückenden Hitze, schlug ich meiner Frau unter Vorgabe diverser Gründe vor, diese Aufgabe zu übernehmen. Ihr Kreislauf machte aber nicht lange mit, sie setzte sich auf den Boden und ich nahm Platz hundertfünfunddreißig in der Warteschlange ein. 

Es fiel nicht weiter auf, dass meine Frau saß, viele taten das. Trotzdem ging ein älterer Mann, der Kleidung nach ein Fellache, auf sie zu, legte einen aufgerollten Gartenschlauch vor ihr ab und redete auf sie aufgeregt ein. Hätte er die Hände nicht zur Unterstützung seiner Ausführungen gebraucht, wir hätten gar nichts verstanden, so aber wurde uns bald klar, dass der Mann einen Aufpasser für den Schlauch suchte, da er offensichtlich noch andere Besorgungen zu tätigen hätte. Er verließ auch unmittelbar darauf das Bahnhofsgebäude.

Meine Frau war gar nicht so verstört angesichts ihrer neuen Aufgabe. Auf dem Schlauch war es wesentlich bequemer zu sitzen. Das war auch gut so, denn der Besitzer ließ sich Zeit. Nach etwa einer Stunde aber kam er zurück, ging lächelnd auf meine Frau zu, um das so vortrefflich Bewachte abzuholen. Da passierte etwas, was im Bahnhof von Kairo zwar vorkommen konnte, aber sicher nicht alltäglich war.

Meine Frau erkannte den Mann nicht mehr, schließlich ähneln sich die Bewohner des Niltales für einen Ausländer alle sehr. So weigerte sie sich, den Schlauch herauszugeben. Der Mann lachte erst, versuchte sich auf verschiedenste Weise zu erkennen zu geben. Es half nichts, keine Bitte, keine grimmige Forderung. Meine Frau wollte das Utensil keinem hinterlistigen Betrüger aushändigen. Trotz ihrer hitzebedingten Schwäche hielt sie die Rolle fest, der Mann mochte zerren, wie er wollte. 

Natürlich erweckte der Vorgang Aufsehen. Es schien, als ob sich die Wartenden in zwei Parteien spalten würden, Unterstützer meiner Frau und Patrioten, die ihrem Landsmann Recht gaben. In dieser Stimmung wurde mir plötzlich klar, dass es sich um den rechtmäßigen Besitzer handeln musste. Ich erkannte ihn wieder, weil er nur ein Ohr hatte, etwas, was nicht allzu häufig vorkommt. So mischte ich mich ein, meine Frau vertraute mir und gab den Schlauch, der sich mittlerweile schon seiner Verschnürung entledigt hatte, heraus. 

Der Mann verließ die Halle mit seinem Eigentum in geradezu lächerlicher Eile.


Sonntag, 24. Februar 2013

Lyrik am Sonntag

http://2010sdafrika.wordpress.com/2013/02/24/sudafrika-lyrik-am-sonntag-7/

Salzburger Nachtschau





Das Taglicht verliert seine hellenden Kräfte,
ein schwindender Schein streift der Burgfeste Mauern.
Laternen erglühen, erneuern die Schatten,
der Abend geht über in nächtliche Ruhe.

Das Auge gewöhnt sich an dunklere Töne,
die Türme und Kuppeln gewinnen Konturen.
Ein windstilles Meer an behütenden Dächern
verliert sich in unbestimmt lichtloser Weite.

Ich steh auf dem Stadtberg und suche die Namen
der Gassen, der Plätze im Umkreis des Domes.
Ein Silberband glänzt unter querenden Brücken,
es spielt mit dem Mond bis hinein in den Morgen.