Mittwoch, 4. April 2012

Plausch




Mein Rotkehlchen, bleib mir zum Morgenplausch sitzen,
suche das Würmchen zu späterer Zeit.
Ich sehe so gern deinen Augenstern blitzen,
mag deinen Brustlatz am flauschigen Kleid.

Du kannst schon beginnen, ich weiß sie zu deuten
deine Geschichten vom buschigen Rain.
Wie leise die Glocken der Heckenfee läuten,
singst du mir vor und das finde ich fein.

Nach deinem Berichte bin ich an der Reihe,
sag dir, wie sehr deine Freundschaft mich ehrt.
Doch nun bist du hungrig, flieg fort und verzeihe,
hab dir zu lange das Frühstück verwehrt.

Dienstag, 3. April 2012

Schwanzlurche unter sich



Der Salamander Alexander
verliebte sich Kunigunde,
die Molchin. Deren Miteinander
war tümpelweit in aller Munde.

Der Pärchenbildung folgten Fehden,
von Schande sprachen selbst die Egel.
Wer wollte mit dem Paar noch reden?
Es brach die ungeschrieb’ne Regel.

Doch unbeeindruckt von der Menge
versprach man sich das Ja zur Treue,
schlug lurchspezifisch über Stänge
und zeugte Kinder – gänzlich neue.


Blütenwunder



Die Frühlingsfee streut aus dem Weidenkorb Sterne
auf Wiesen und Raine, verfehlt nicht den Baum.
Ein Zauberstab winkt aus des Morgenrots Ferne,
die Aussaat erblüht nun zum seidigen Traum.

Wie anders ist dieses Geschehn zu beschreiben?
Als zwingender Ablauf im Reich der Natur?
So würden die Bilder zwar ebenfalls bleiben,
viel weniger magisch und märchenhaft nur.


Montag, 2. April 2012

Horus




Sonne und Mond sind des Augenpaars Scheiben,
Falkengestalt trägt der Gottsohn des Re.
Steinmetze fanden kein Ende im Schreiben
preisender Glyphen in Stein und Kamee.

Hier im Museum steht Horus im Glanze,
Lichtkegel fluten den Rauchamethyst.
Tausendfach splittert am Boden das Ganze,
ich hab’s verbrochen, nun bleche ich – Mist.




Submarine Landwirtschaft


Es gibt Austern-, Garnelen-, Hummerfarmen, keine Frage - aber diese werden durchwegs von Menschen betrieben, die Hummer haben da gar nichts mitzureden. Ganz anders in der folgenden Geschichte, da nehmen die Akteure das Szepter selbst in die Hand - das heißt - in die Flosse.

Den submarinen Ackerbau
verfochten  einstmals bauernschlau
die Seekuh und ein Seepferdhengst,
doch lief es anders als du denkst.

Der Sägefisch schnitt Bretter zu,
ein Stallgebäude stand im Nu,
Der Nagelrochen half dabei
dem Zimmermeister Hammerhai.

Den Seehund suchte man sich aus
zum Schutz für Hof und Bauernhaus.
Die Meerkatz‘ ging auf Seemausfang,
was tauchend ihr nur schwer gelang.

Die Meerschweinzüchtung glückte nur
mit aufwandsreicher Luftzufuhr.
Der Seehas‘ brauchte diese nicht
und kam durch Seegras zu Gewicht.

Doch hat dies Gras im Endeffekt
das Unternehmen stillgelegt,
denn Seegras wird, das ist nicht neu,
tief unter Wasser nie zu Heu.


Sonntag, 1. April 2012

Haiku (5)

Schrägstrahlen fluten
Blattgold auf Wellenkräusel
Gutenachtmärchen



Wildschweine

Der Sprachgebrauch unterscheidet häufig durch den Vorsatz von WILD- und HAUS- die freilebenden und domestizierten Vertreter einer Art. Wild bedeutet also nicht unbedingt ungestüm, angriffslustig, etc. Die Wildtaube ist zumindest ebenso friedlich wie die Haustaube, die Wildkatze ist auch nur um Nuancen wilder als die Hauskatze. Die Frage bleibt, wie sich die Sache da beim Wilden Kaiser verhält, ist der Berg wilder als etwa Franz Josef? Beim Wildschwein ist die Problemstellung ähnlich geartet. 


Es rauscht in den Büschen, der Häher fliegt auf,
Geräusch vieler Klauen in fliehendem Lauf,
da bricht aus dem Dickicht der Schwarzröcke Schar,
der Markwart* verkündet mit Stimmkraft Gefahr.

Im Schutze der Rotte, den Keiler zur Seite,
vertrauen die Frischlinge diesem Geleite
und springen vergnügt wie apriltolle Hasen
hinaus aus dem Wald in die Feuchte der Wasen.

Den Augenblick später verebbt diese Flucht,
die Bache macht vor, wie man Herbsteicheln sucht,
ein friedlicher Anblick, könnt sanfter nicht sein.
Du fragst dich, wo bleibt hier das Wilde vom Schwein.

* Eichelhäher