Donnerstag, 8. November 2012

Der Nebel, Gehilfe der Fantasie





Der Atem des Herbstes, die weißgrauen Schwaden,
nimmt blattarmen Bäumen die scharfe Kontur.
Die Stammreihen scheinen im Nebel zu baden,
nicht weit reicht der Blick, bald verraucht jede Spur.

Das Ziel nicht vor Augen, Gewisses nur ahnend,
reizt dennoch das Wandern durch Windmondes Reich.
Ein Krähenruf, grüßend statt Schwesternvolk mahnend,
zieht Blicke und Schritte zur Erle am Teich.

Wie still ist’s im Schilf, klingt des Rohrsängers Flöten
für kommende Wochen an anderem Platz?
Auf Brachfeldern trotzen die Hasen den Nöten
und üben fürs Frühjahr schon kunstvollen Satz.

Das Milchglas des Dunsts trügt das Aug mit Chimären,
geschriebenes Wort hinkt dem Bild hinterher.
Ich glaube, wenn schleiernde Nebel nicht wären,
dann bliebe ein Teil unsres Wundersinns leer.



Mittwoch, 7. November 2012

Das Einhorn im Stadtpark





Ein Pferd, aus edlem Marmorstein geschlagen,
erhebt sich in bedrohlicher Pesade.
Das Narwalhorn auf seiner Stirne zeigt gerade
ins Reich des Einhorns, scheint zu sagen,
komm doch mit mir, mein Rücken wird dich tragen.

Ich lasse mich vom Mythenross gewinnen,
hab schon die Ruhebank im Park verlassen,
gerade kann ich noch die Mähne fassen,
da zeigt das kalte Steingebilde meinen Sinnen
ein Bild, dem mag mein Wille nicht entrinnen.

Schon wärmen heiße Ströme aus den Nüstern
die Wangen mir im Flug durch Wolkenschwaden.
Das Einhorn galoppiert, ich hör Tiraden
vom Wundervogel, hör die Elfen flüstern
aus Regenbögen, die sich nie verdüstern.

Ich lausch dem Lachen unbeschwerter Kinder,
die zum Erstaunen weiße Flügel tragen,
mich höflich nach dem Ziel der Reise fragen.
Ein Hase grüßt mich, lüftet den Zylinder,
im Vollmond grasen quergestreifte Rinder.

Da fragt mich jemand, reißt mich aus den Träumen,
ob diese Bank wohl Platz für ihn noch hätte,
er liebe diese wunderbare Stätte,
wo, Schande solches Anbot zu versäumen,
Gedanken kalten Stein zum Leben zäumen.

Montag, 5. November 2012

Megacities





Washington,
Houston,
ganz sicher auch Kairo,
sind größer
als Eching
und Jauchsdorf zusammen.
Ein Wahnsinn!

Sonntag, 4. November 2012

Lärchen in Gold




Nun schürt der Herr des Lärchenbrandes
das Feuer in dem Nadeldicht,
trägt Glut ins kleinste Tal des Landes,
bringt ins Novemberdunkel Licht.

Die Lärche gleicht in Sommerzeiten
im Aufputz sich den andren an.
Wenn Ahornblätter erdwärts gleiten,
lässt sie Vergoldern freie Bahn.

Es sind des Baumes schönste Tage,
bewundert wird er überall.
Genossen wird, weit weg die Frage
nach drohend nahem Nadelfall.

Birkhuhnsorgen





Der Birkhahn sitzt im Fichtendickicht,
versteht sein Schicksal, sprich Geschick nicht,
warum man ihn so unbedingt
mit Birken in Verbindung bringt.
Das scheint die Henne auch zu stören,
sie ruht gewöhnlich unter Föhren.
Ansonsten ist der Sorgen Zahl
des Birkhuhns eher minimal.


 

Freitag, 2. November 2012

Auf dem abendlichen Friedhof



Die stillen Feuer der Laternen
verwandeln sich zu Bodensternen,
wenn durch der Gräber Reih und Glied
die Dunkelheit des Abends zieht.

Du spürst der Stille eignes Wesen,
beginnst die Meißelschrift zu lesen
auf Marmor und gesägtem Stein
und fühlst dich plötzlich nicht allein.

Die Luft trägt keine Spur des Leides,
kein Hader schwingt da mit, denn beides
ist fremd an diesem Schweigeort.
Mit dieser Tröstung gehst du fort.

Donnerstag, 1. November 2012

Weihnachtlich

Stehen da nicht Weihnachtsbäume,
schöner noch als Kinderträume?
Leuchten da nicht Glitzerherzen
auf im Licht von tausend Kerzen?

Nein, es sind Kristallgebilde,
die dann bis zur Mittagsmilde
auf den Tannen, Lärchen, Fichten
sich in Kinderseelen dichten.

In die Täler hoch vom Berge
ziehen sie, die Märchenzwerge,
Riesen auch in Weißgewändern,
Zuckerstaub, Lamettabändern.

Frost und Reif sind Frohnaturen,
ihrer Scherze schöne Spuren,
die den Wanderweg begleiten,
geben Mut in kalten Zeiten.