Donnerstag, 7. Februar 2013

Zaun im Nebel (Anapäst)





Nur zum Scheine verjüngt sich der Holzzaun zum Spitz,
wo ein qualmender Nebel ihn vollends verschlingt.
Keine Spuren im Feldweg, der Schwarzdrossel Sitz
ist verwaist, weil der Vogel nicht Trübnis besingt
und ein Lied aus dem Grau ohne Zuspruch verklingt.

In dem Bilde liegt dennoch ein Maß Harmonie,
nicht die Vielfalt der Farben beschenkt unsre Sicht.
Karge Fahlschatten setzen die Monotonie
in ein anderes, wenig beachtetes Licht,
das dem Auge die Schneise für Grauwelten bricht.

Fasching des Schneeballs




Heute feiern Schneeballbeeren
Fasching in den Heckenzweigen.
Leicht beschwipst vom Zuckergären
eifern sie, ihr Rot zu zeigen.

Alle Dolden tragen Mützen,
aufgesetzt vom Flockenmeister,
wissen dieses Weiß zu nützen
als Kostüm für Waldrandgeister.

Wandrer können das Gekicher
zwar nicht hören, doch empfinden.
Schon das Bild allein hilft sicher,
Frostverdruss zu überwinden.




Mittwoch, 6. Februar 2013

Bergmorgen




Die Sonne steigt
und malt einem Grat goldne Flächen.
Der Jungtag schweigt,
doch wird er die Stille bald brechen.
Ein Kitzelstrahl
entreißt jedes Leben dem Traume,
wie blauer Stahl
entblößt sich der Himmel dem Baume.
Das Dunkel flieht,
es räumt jeden Winkel im Saale.
Der Morgen zieht
mit fröhlichem Antlitz zu Tale.

ES war einmal




Einst wanderte im Erzgebirge
ein ES, im Rucksack Quargelkäs.
Der stank beträchtlich, ein Gewürge
erfasste unser kleines ES.
Das starb darauf an Nasenqual.
Wie heißt‘s so schön: ES war einmal.

Dienstag, 5. Februar 2013

Sankt Pölten





Ich atme auf den Bergen frei,
geb meiner Seele Luft und Raum,
wie lockt mich schriller Möwenschrei
aufs Meer hinaus, doch bleibt mein Traum
Sankt Pölten

Manhattan hab ich schon gesehn,
in Rio war ich oftmals Gast.
Doch muss ich nicht den Globus drehn,
urbane Quintessenz umfasst
Sankt Pölten

Sankt Pölten, du, der Musen Hort,
du Zweit-Athen, du Götterreich,
ich häng an dir, geh nie mehr fort,
du bleibst mir urbs und orbs zugleich.
Sankt Pölten