Dienstag, 8. April 2014

Mondgeschichten




Der Mond geht schlafen, es erwachen
nun Kinder, die sein breites Lachen
die Nacht zuvor zum Träumen brachte.
Er war es, der im Dunkel wachte,
vom Mondkalb und den Tälern, Bergen,
den Kraterriesen, Meereszwergen
erzählte, wohl auch Wolken neckte,
und hin und wieder sich versteckte.
Jetzt schläft er selber, nun berichten
die Kinder von den Mondgeschichten.

Abendliches Erleben am Stausee




Im eifrigen Wettstreit an Schönheit zu siegen,
scheint Nachbar mit Nachbar des Ufers zu liegen,
als spiegelndes Bild im gestauten Gerinne,
erwartend ein Urteil der menschlichen Sinne.

Der Berg schmückt sein Abbild mit junggrünen Wäldern,
mit Blaugraugestein und mit firnweißen Feldern,
der Himmel vertraut auf der Blautöne Wirken,
mit Anmut versuchen es Weiden und Birken.

Den Richter spielt niemand, das Bild zählt als Ganzes.
Das Auge ertrinkt in der Klarheit des Glanzes,
der Balsam der Stille heilt lärmmüde Ohren
und Nektarduft dringt aus der Blütenwelt Poren.


Mittwoch, 2. April 2014

Seerundweg




Der Weg ruft zum Wandern, den See zu umrunden,
ein Kleinod der Heimat mit Lust zu erkunden,
in Ruhe zu sehen, was Eile nicht zeigt,
die Grille zu hören, die Frohlieder geigt.

Der Salbei streckt Arme, gewillt dich zu grüßen,
die Windröschen schmeicheln den nahenden Füßen,
zwei Lärchen sind stolz auf das feurige Grün
und Jungfichten strecken zur Sonne sich hin.

Ein Grasfrosch zeugt Wellen, die uferwärts fliehen,
der Graureiher äugt im beschaulichen Ziehen
nach unten. Der schläfrige Häher erschrickt,
warnt kurz nur, er hat keine Fährnis erblickt.

Du wanderst allein, doch mit tausend Begleitern,
die Staunen erregen, belehren, erheitern.
Ein Rundweg sucht immer den Anfang, ein Spiel,
für dich war er mehr, du kommst reicher ans Ziel.

Dienstag, 1. April 2014

Hochzeit der Feuerwanzen




Im Schatten zweier Sommerlinden
da wogt es her und wogt es hin.
Sie sind zu Hunderten zu finden,
der Tänzer sucht die Tänzerin.

Ein Krabbeln, Kribbeln, Wenden, Drehen
in Anmut, Schwung und Eleganz.
Du glaubst ein Schildermeer zu sehen
mit Farbenmustern voller Glanz.

Du siehst das Hochzeitsfest der Wanzen
auf Wurzelholz, im grünen Moos,
auf blankem Kies und weißt, ihr Tanzen
lässt dich ein Weilchen nicht mehr los.

Der Zaunkönig




Er misst sich mit Adler und Großtrappe nicht,
warum auch, so denkt sich der huschende Wicht,
kein Adler kann huschen, wie Mäuslein es machen,
kein Bussard kann singen, nach Notenschrift lachen
und Freude vermitteln aus Gartenverstecken.
Man liebt ihn, den wuselnden, tapferen Recken,
schon Äsop schrieb einst ihm ein Ehrengedicht,
er rückte die Schlauheit des Vogels ins Licht.