Samstag, 3. Mai 2014

Urzeitwesen




Urzeitversprengtes, bedrohliches Wesen,
starrende Augen, kein Furchtschein zu lesen,
kurzes Gehörne auf mächtigem Schädel,
Spitzborsten tragende, schaurige Wedel,
all diesen Schrecken zeigt warnend ein Tier,
nicht im Gehölze, nein, hautnah vor mir.

Schwingt da ein Rüssel, mich schwindeln zu lassen,
schnappen da Zangen am Fuß, mich zu fassen?
Werd ich als Opfer, als Beute erkoren,
bin ich an grausame Mächte verloren?
Lupen vergrößern auch Angstfantasie,
nicht die der Fliege da vorn auf dem Knie.




Morgenmalerei




Müd noch blicke ich zum Garten hin:
Einen Zaunpfahl, Flechten schmücken ihn,
wählt die Amsel aus zum Spiel der Flöte.
Blüten leihen in der Morgenröte
ihr den Rahmen, der zum Bild sie macht.
So umrandet wird selbst Schwarz zur Pracht.

Ob sie weiß, wie sehr das Wiesengrün
und die Röschen, die in Unzahl blühn,
sie ins Licht des jungen Tages rücken,
des Betrachters Aug und Ohr entzücken?
Vorgestellt in solchem Aquarell,
werden Morgenstunden doppelt hell.


Freitag, 2. Mai 2014

Seidelbast




Buchenbegleiter.
Rotsterne zeugender Strauch.
Holzige Anmut.

Doldige Daphne.
Rispige, ährige Zier.
Schmetterlingsgasthaus.

Rinde und Früchte.
Giftsaftgetränkte Gefahr.
Hexenschreckzweiglein.

Wohldüftespender.
Wanderers Freude im Mai.
Waldrandbehübscher.

Zell am See in Haikus




Grandhotelpforte.
Kunstschmiedetor hin zum See.
Bojengeschaukel.

Mietboote warten.
Streifen gespiegelten Berg.
Warmtagesehnucht.

Schlösser zur Herberg.
Bootshäuser öffnen das Tor.
Höckerschwanküken.

Seeblaugekräusel.
Treibt mit den Enten sein Spiel.
Sommererahnen.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Fremde Welt Moor




Nicht die Zeit der Lichterfülle
ohne jede Wolkenhülle,
ist es, die dem Moor das Leben
seines wahren Wesens geben.
Dämmerstunden, Morgengrauen
lassen erst die Dinge schauen,
die sich sonst dem Blick verbergen.

Schattenwurf von Föhrenzwergen
kreuzt den Nebel zwischen Bäumen,
die mit krüppeldürren Ästen
Bühne sind den Geisterfesten.
Hohler Ruf der Bekassinen
will dem Unbehagen dienen,
das die Binsenschöpfe zeugen.

Fahle Krummgestalten beugen
sich zum moorgeschwärzten Spiegel.
Drinnen lässt ein Seggenigel
deinen Rücken frösteln, Reiher
mustern regungslos den Weiher.
Wirklichkeit kann hier nichts gelten,
weicht dem Zauber fremder Welten.