Montag, 5. Januar 2015

föhneinbruch




föhnwolkenkräusel
windfantasie überm baum
frosttagverschnaufen

knorrast mit häubchen
tautropfen drängeln hinab
kohlschwarzkonturen

säuseln durch zweige
luftharfenklänge im busch
mischgefühlzeiten


Jesaja 42/1-9




Das ist mein Knecht, den ich liebe. Ich gebe
ihm meinen Geist, dass er Heiden bekehre.
Still wird er handeln, den Docht nicht ersticken,
Schilfrohr zum gänzlichen Bruche nicht knicken.
So spricht der Herr, seinem Volke zur Lehre.
Himmel und Erde, des Geistes Gewebe,
Odem der Allmacht im Bund mit dem Lichte,
das auch dem Blinden vom Schönen berichte,
sendet er, warnt vor den Götzen der Leere,
HERR soll nur einer sein, ihm alle Ehre.

Neuschneespiele





Es tollen Hunde mit den Hunden
im neuen Schnee – nach solchen Stunden
verharren sie zur Rast, ermattet,
vom Pulverweiß beinah bestattet.
Und wie sie da so Atem hecheln,
verströmen Leuchteaugen Lächeln.
Der Mitgeschöpfe kleines Glück
begleitet nun auch dich ein Stück.


Philosophen


Sonntag, 4. Januar 2015

Künstler der Lüfte




Dem Ikarus eifert die Möwe nicht nach,
sie braucht nicht die Nähe zur schmelzenden Sonne.
Dem Blitze recht ähnlich, dann wieder gemach,
bereitet ihr Tiefflug artistische Wonne.

Das Auge späht aus und erkennt in den Wellen,
was gut genug ist, dass ein Wassern sich lohnt.
Vom Ufer her liebäugeln schwarze Gesellen,
weil nagender Hunger im Krähenbauch wohnt.

Dem Menschen dringt zänkisches Kreischen ans Ohr,
doch ist’s nur Gesang, großes Freudevermelden.
Ich zieh aus dem Mantelsack Altbrot hervor
und mach scheue Vögel zu angstfreien Helden.