Mittwoch, 22. Februar 2012

Distelfinkisch


Der Stieglitz gibt sich monogam,
die ganze Brutzeit. Ohne Scham
verlässt er dann sein Nest recht flink
als ledig freier Distelfink.
Ein fringillides Melodram.

Da lobt man sich des Ganters Treu,
beachtlich scheint die Trennungsscheu.
Des Menschen maskuliner Form
gefällt sehr oft die Stieglitznorm,
doch dies Verhalten ist nicht neu.

Der Nacktmull und du



Der Nacktmull, ein besonders nackter,
mit leichten Fehlern im Charakter,
schreibt Spottgedichte über dich
und Fritz und Franz und Emmerich.

Die Haartracht, die zum Himmel schreit,
das Beinkleid, Grund für Lustigkeit,
ganz allgemein die Körperzier
bei Fritz und Franz und auch bei dir.

Kein Wunder, dass die breite Massen,
kein gutes Haar am Nacktmull lassen.
Ich finde diesen Kerl ganz niedlich,
denn mich betreffend ist er friedlich.


Gimpelhabitus



Am letzten Tag der Faschingszeit,
der Mittwoch winkt schon mit der Asche,
schlüpft 's Gimpelvolk ins Narrenkleid,
alljährlich mit derselben Masche.

Ein schwarzes Käppchen, die Soutane
in zartem Rot - die Dompfafftracht.
Der schlichte Vogel lebt im Wahne,
sein Aussehn gäb ihm Priestermacht.

So lässt er Asche, Asche sein,
beschließt, die Würde zu erhalten.
Er trägt das Kleid jahraus, jahrein,
der Papst in Rom, der lässt ihn walten.

Ziege, Pferd und Reh



Die Geißen, Pferde und die Rehe
verbinden, wenn ich richtig sehe,
gewisse Fremdwortderivate
von Capra – Ziege – wie ich rate.

Die Ziegensprünge – Kapriolen –,
der Ursprung ist leicht herzuholen,
verbinde ich, man staune nur,
ganz felsenfest mit Rossdressur.

Das Geißenhüpfen bei den Pferden
muss einfach hingenommen werden,
warum jedoch heißt unser Reh
Capréolus, Akzent auf e?


Dienstag, 21. Februar 2012