Montag, 28. April 2014

Albtraum




Wolkenlast, düsterer Himmel, zwei Krähen
lassen zum Spiel sich vom Winde verwehen,
flattern dann wieder zurück. Aus den Fichten
dringt lautes Krächzen, fünf Schwarzvögel richten
glänzende Augen zum Treiben der Schwestern.
Plötzlich erscheint - wie aus Dutzenden Nestern -
Wotans Gefolge. Das höllische Lärmen
schwillt bis zum Weckruf von weiteren Schwärmen
nachtdunkler Raben und teerfarbner Dohlen.
Mehr, immer mehr scheint der Wirbel zu holen.
Ängstlich verfolgen die Dörfler das Treiben,
hören die Kiele an Kielen sich reiben,
sehen der Schnäbel begieriges Zielen,
abseits nun aber von freundlichem Spielen.
Apokalyptische Flieger – nicht Reiter –
vogelmaskierte  verwegene Streiter
finsterer Mächte, im Wissen des Sieges.
Stirnschweiß beendet den Albtraum des Krieges.
Wach wieder, hör ich das Flöten der Amseln.

Sonntag, 27. April 2014

Römerbrücke




Gehauene Steine zum Bogen zu schlichten,
im Handwerk Gemäuer als Weg zu errichten,
der Flüsse und Bäche quert, Ufer verbindet,
als ewiges Denkmal Gefahr überwindet,
das Drängen nach Schönheit und Dauer zu streben,
war römischem Kunstsinn vertraut und gegeben.
Entschwunden die Zeiten, vorbei die Epochen,
der Steinbrücken Reiz wurde niemals gebrochen.

Freitag, 25. April 2014

Leben


Leben weiß um Anfang, Schluss,
Kargheit, reichen Überfluss.
Leben nützt der Nische Schutz,
schönt das Schöne und den Schmutz,
tröstet durch sein bloßes Sein,
alles, was den kleinsten Schein
einer Seele fühlen lässt.




Donnerstag, 24. April 2014

Grüner Zweig aus morschem Baum




Morsch der Stamm und dürr der Ast,
Zweige ähneln Geisterhänden.
Rinde blättert, jede Last
würd des Baumes Stand beenden.

Tot, das Leben schon gelebt,
steht er einsam auf dem Anger.
Trugbild, denn ein Grünzweig strebt
hoch und zeigt sich wie am Pranger.

Werden aus Beendigung
ist Symbol des Trostes. Hoffen
auf ein Sein, ganz neu und jung,
bleibt uns – Seele tröstend – offen.

Mittwoch, 23. April 2014

Schminktischchenspiegel


Zum Psychenspiegel wird die Bucht,
die Landschaft kleidet sich, genau
erkennt sie sich in dieser Schau.
Im glatten, klaren Wasser sucht
der Hügel Makel und der Stein
betrachtet sich im Doppelschein.

Das Haus prüft seinen Lidstrich, ob
er wohl das Fensterauge ziert.
Die frühjahrsgrüne Buche führt
ihr Blattwerk vor, erwartet Lob
von einem Wildholunderstrauch.
Der aber schweigt, er prüft sich auch.